Kinder

Augenärztliche Untersuchungen führen wir bei allen Altersstufen durch – auch schon bei Säuglingen. Hierbei geht es um die Beurteilung der organischen Gesundheit der Augen und des Sehvermögens – mit dem Ziel einer optimalen Sehschärfenentwicklung.

Wir untersuchen die Kinder mit Einfühlungsvermögen, Engagement und viel Spaß.

Es ist uns ein großes Anliegen, durch altersgerechte Untersuchung sowie Angebot einer "Sehschule" eine kompetente Diagnostik sowie Therapie auch schon für Säuglinge und  Kleinkinder anzubieten.

Damit Sie und Ihr Kind sich bei uns wohlfühlen, haben wir ein eigenes Kinderwartezimmer und speziell auf Kinder abgestimmte Untersuchungsmöglichkeiten.

Wann sollten Kinder zu einer augenärztlichen Untersuchung?

  • sofort bei sichtbaren Auffälligkeiten der Augen, wie z.B. Augenzittern, Hornhauttrübungen, grau-weißlichen Pupillen, großen lichtscheuen Augen oder bei Lidveränderungen, hier besonders Hängelidern, welche die Pupille verdecken, oder, falls Sie sich einer Sache nicht sicher sind.
  • mit 6 bis 12 Monaten bei erhöhtem Risiko für Schielen, für Fehlsichtigkeit (optische Brechungsfehler) und/oder für erbliche Augenerkrankungen. Das liegt z.B. vor bei Frühgeborenen, Kindern mit Entwicklungsrückstand, Geschwistern oder Kindern von Schielern oder stark Fehlsichtigen (besonders Übersichtigen), sowie bei Kindern aus Familien mit bekannten erblichen Augenerkrankungen.
  • mit 24 bis 42 Monaten alle übrigen, auch unverdächtigen Kinder zur frühzeitigen Entdeckung eines kleinwinkligen Schielens oder von optischen Brechungsfehlern.
Sehschule, Orthoptik

In Zusammenarbeit mit Frau Desiree Wendt, unserer staatlich geprüften Orthoptistin, bieten wir eine „Sehschule“ an. Unter dem Begriff „Sehschule“ versteht man die Zusammenarbeit von einer Orthoptistin mit Augenärzten, die Schielerkrankungen und deren Folgen sowie Sehschwächen (Amblyopien) bei Kindern und Erwachsenen untersuchen und behandeln. 

Schielen

Kindliches Schielen kann neben familiärer Veranlagung auch bei allgemeiner Schwächung des Körpers (Infektionskrankheiten), durch Fehlen einer notwendigen Brille, bei Linsentrübungen oder Verletzungen auftreten.

Plötzliches Schielen bei Erwachsenen, häufig begleitet von Doppeltsehen, entsteht z.B. durch Augenmuskellähmungen oder das Verfestigen eines vorher vorhandenen verborgenen Schielens.

Alarmzeichen sind: Vorbeigreifen, häufiges Stolpern und Anstoßen, Zukneifen eines Auges, häufiges Blinzeln und Zwinkern, Unlust am Lesen, Schiefhaltung des Kopfes und Verschwommensehen.

Schielen kann zu einer lebenslangen Sehschwäche führen und sollte daher in der Augenarztpraxis abgeklärt werden.

Online-Schulung

Die computergesteuerte Therapie einer Sehschwäche mit online-Spielen wurde für die Behandlung der funktionellen Sehschwäche bei Kindern von 4-11 Jahren entwickelt. Sie wird als Ergänzung zur Okklusionsbehandlung - der Abdeckung des stärkeren Auges durch ein Pflaster - eingesetzt. Die Übungen finden mit Hilfe von Online-Spielen zu Hause statt, wobei ein spezielles Wellenmuster im Hintergrund das Gehirn stimuliert und dadurch das schwache Auge aktiviert. Dadurch kann die Sehschärfe erheblich gebessert werden. Unsere Praxis arbeitet dafür mit 2 Firmen zusammen:

Wir führen Sie und Ihr Kind in die Therapie ein, vermitteln den Kontakt zu einer Firma und kümmern uns um die Kostenzusage durch Ihre Krankenkasse (allerdings übernehmen z.Zt. noch nicht alle Kassen die Kosten- eine private Kostenübernahme ist möglich).

Weitsichtigkeit

Bei Ihrem Kind wurde bei der Augenuntersuchung festgestellt, dass es weit- oder übersichtig (hyperop) ist.In den meisten Fällen kann Ihr Kind trotzdem sowohl in der Ferne als auch in der Nähe gut sehen.

Beim Sehen in der Ferne ist der Muskel, der die Augenlinse ringförmig umgibt, normalerweise entspannt. Zum Sehen in der Nähe nimmt die Krümmung der Augenlinse durch Anspannung dieses Muskels zu. Diesen Vorgang nennt man Akkommodation. Dadurch nimmt die Brechkraft der Linse zu, so dass in der Nähe scharf gesehen werden kann.

Bei weitsichtigen Kindern ist das Auge noch zu kurz gebaut, um in der Ferne scharf sehen zu können. Die Augenlinse muss daher durch eine verstärkte Krümmung die Brechkraft erhöhen, um ein scharfes Bild auf der Netzhaut zu erzeugen. Das bedeutet, dass weitsichtige Kinder auch für das Sehen in der Ferne akkommodieren müssen - da sie aber noch eine sehr elastische Augenlinse haben, fällt ihnen das nicht schwer - allerdings müssen sie für die Nähe sehr viel mehr Muskelanstrengung aufbringen als normalsichtige Kinder.

Das kann dazu führen, dass weitsichtige Kinder

  •  Kopfschmerzen bekommen
  •  sich nicht lange auf Naharbeit konzentrieren können
  •  ungenügendes räumliches Sehen haben
  •  oder sogar anfangen zu schielen.

Daher sollte Ihr Kind - auch wenn es noch keine Auffälligkeiten zeigt - eine Brille verordnet bekommen, wenn die Weitsichtigkeit über +2,5 oder  +3,0 Dioptrien liegt.  Wenn Beschwerden wie Kopfschmerzen o.ä. vorhanden sind, sollte auch schon bei geringer Weitsichtigkeit eine Brille getragen werden.

Eine Weitsichtigkeit verringert sich normalerweise durch das Wachstum des Augapfels in den ersten Lebensjahren deutlich. Wie lange Ihr Kind eine Brille tragen sollte, kann allerdings nur durch regelmäßige Messungen festgestellt werden.

Kurzsichtigkeit

Wenn ein Kind/Jugendlicher kurzsichtig ist, ist das nichts Schlimmes, aber es bringt einige Nachteile mit sich. Diese Diagnose vermittelt erst mal etwas Unbehagen, weil eine neue Situation auftritt, mit der sich Kinder/Jugendliche und Eltern arrangieren müssen. Kurzsichtigkeit/Myopie bedeutet, dass man im nahen Umfeld gut sehen kann, aber im weiten schlecht. Je nach Stärke der Kurzsichtigkeit können Gegenstände und Personen, die weiter entfernt sind, nicht mehr deutlich erkannt werden – wenn auch die Schrift an der Tafel nicht mehr erkannt wird, kann das Kind dem Unterricht nicht folgen und ist demotiviert.

Die heutigen Brillen sind meist chic und altersgerecht und durchaus auch ein Gewinn für die Persönlichkeitsausstrahlung des Kindes/Jugendlichen, aber wenn ein Kind eher schüchtern ist, kann die Brille diese zurückhaltenden Eigenschaften verstärken. Eine Brille kann auch bei Spiel und Sport oder beim Toben hinderlich sein - wenn die Brille im Sportunterricht wegen der Verletzungsgefahr abgenommen werden muss, kann durch die unscharfe Sicht keine optimale Leistung erbracht werden. Man weiß auch, dass eine schlechte Sehschärfe die Entwicklung von Kindern/Jugendlichen hemmen kann.

Kurzsichtigkeit entwickelt sich v.a. durch konzentrierte Naharbeit zwischen 20 cm und 60 cm, also auch durch Bildschirmarbeit, Computerspielen und Handynutzung. Die dabei entstehenden Verhältnisse im Auge können bei entsprechender Veranlagung ein Längenwachstum des Auges auslösen. Die Länge des Auges passt dann nicht mehr zur Optik des Auges, das betrachtete Bild entsteht vor der Netzhaut und ist damit unscharf. Dieser Mechanismus ist beeindruckend, richtet doch die Natur das Wachstum so aus, dass die vorwiegende Tätigkeit optimal unterstützt wird: die Naharbeit. Kurzsichtigkeit kann auch vererbt werden - die Wahrscheinlichkeit beträgt etwa 35%, wenn ein Elternteil kurzsichtig ist.

Folgen der Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit bedeutet eine Längenausdehnung des Auges. Durch diese Längenausdehnung gerät die Netzhaut unter Spannung. Dadurch kann es im Laufe des Lebens bei ungünstigen Umständen zu Rissen oder Ablösung der Netzhaut kommen, was wiederum zur Erblindung führen kann.Es ist von daher anzustreben, eine Kurzsichtigkeit zu verhindern oder, wenn möglich, eine weitere Zunahme zu verhindern. Das Risiko eines Netzhautschadens nimmt mit der Höhe der Kurzsichtigkeit zu.
Ein weiterer wichtiger Grund, Kurzsichtigkeit zu mindern, ist die eingeschränkte Berufswahl. Für stärker Kurzsichtige wird der Berufswunsch des Piloten oder Polizisten nicht in Erfüllung gehen. Weiterhin wird eine spätere eventuelle Laser-Operation bei hoher Kurzsichtigkeit deutlich risikoreicher. Auch unter diesen Gesichtspunkten ist es erstrebenswert, die Kurzsichtigkeit so gering wie möglich zu halten.

Therapiemöglichkeiten (Myopiemanagement zum Bremsen der Myopieprogression)

Mehrere Forschungsarbeiten zeigen, dass das periphere, d.h. das außen liegende Netzhautbild die Ursache für das Längenwachstum des Auges ist. Wenn wir etwas anblicken, zum Beispiel ein Gesicht, wird es im Zentrum unserer Netzhaut abgebildet. Der Bereich um das Gesicht herum wird als peripher bezeichnet. Dieser Bereich ist immer leicht unscharf. Diese Unschärfe verursacht einen Reiz, der das Längenwachstum des Auges auslöst. Das optische System muss also das Verhältnis „Schärfe im Zentrum“ zur „Unschärfe in der Peripherie“ optimieren. Das geht mit einer Brille nicht, weil man durch unterschiedliche Stellen des Brillenglases schaut. Brillen können daher das Längenwachstum nicht stoppen. Die gewünschten Verhältnisse kann man nur mit Kontaktlinsen erreichen. Es gibt dabei drei verschiedene Möglichkeiten:

  • weiche Multifokal-Kontaktlinsen,
  • formstabile Spezial- Kontaktlinsen für das Tragen am Tage
  • formstabile Nacht-Kontaktlinsen (Ortho-k-Linsen).

Da sich weiche Kontaktlinsen und formstabile Kontaktlinsen im Tagestragen auf dem Auge hin- und her bewegen, sind die Effekte auf die peripheren Netzhautbilder nicht so durchschlagend wie bei den Nachtlinsen – daher werden die Nachtlinsen bevorzugt. Wir passen aber auch die anderen Linsentypen an, z.B. MiSight 1 day von CooperVision.


Nachtlinsen (Ortho-k-Linsen) werden seit über 10 Jahren zur Vermeidung höherer Kurzsichtigkeit z.B. in den USA oder in den Niederlanden eingesetzt und sind erprobt. Die modernen Kontaktlinse-Materialien ermöglichen eine Sauerstoffversorgung, die nahezu einem Nicht- Kontaktlinsentragen entspricht. Sie werden auf der Hornhaut getragen und schädigen das Auge bei sachgerechtem Umgang nicht - die Hornhaut eines Kindes ist mit drei Jahren ausgebildet wie die eines Erwachsenen. Sie ändert sich kaum - nur der Augapfel wächst noch in die Länge. Die Erfolge sind in mehreren Langzeitstudien dokumentiert. Eltern und Kinder/Jugendliche sind immer wieder begeistert von der unkomplizierten Trageweise und der Freiheit des Sehens. Meist kommen auch schon junge Kinder mit Kontaktlinsen gut zurecht – sie müssen allerdings selbst auch motiviert sein.

Wenn qualitativ hochwertige Pflegemittel gewählt werden, die zu dem Kontaktlinsen- Material und zur Tränenflüssigkeit des Trägers passen, steht sogar einem lebenslangen Kontaktlinsentragen nichts im Wege- wobei jederzeit zum Brilletragen zurückgekehrt werden kann. Die Kontaktlinsen müssen natürlich exakt an das Auge angepasst sein. Dazu ist der Einsatz von präzisen Scannern, sogenannten Videokeratographen, notwendig. Dabei wird die Hornhaut wie eine Landkarte erfasst und die Kontaktlinse kann dadurch exakt gefertigt werden. Die Nachtlinsen werden abends vor dem Zubettgehen aufgesetzt. Der TrägerIn schläft mit den Nachtlinsen und nimmt sie morgens nach dem Aufstehen wieder vom Auge. Durch die Nachtlinsen wird die vordere Fläche (Epithel) der Hornhaut sanft abgeflacht. Das Epithel bildet sich selbst immer wieder neu. Diese Regenerationsfreudigkeit macht sich das System zunutze. Die aufgesetzte Nachtlinse hat eine bestimmte Form, die von den nachwachsenden Zellen kopiert wird – ähnlich wie bei einem Abdruck durch ein Sandförmchen. Dabei ist das Grundmaterial der Hornhaut viskoelastisch, d.h. es kehrt immer wieder langsam in seine Ursprungsform zurück. Die sanfte Sogwirkung der Tränenflüssigkeit zwischen Kontaktlinse und Hornhaut wirkt auf die viskoelastische Grundstruktur der Hornhaut und gibt ihr eine neue Form. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden ist die Ursprungsform durch die nachwachsende Zellen und die Viskoelastizität immer wieder hergestellt.

Wenn der/die TrägerIn die Linsen abgenommen hat, sieht er/sie deutlich und die Kurzsichtigkeit ist korrigiert – aber auch mit den Nachtlinsen auf den Augen ist die Sicht klar und deutlich. Die Anwendung der Linsen geschieht immer in einem Zeitraum, in dem die Eltern das Tragen kontrollieren können. Am Tage werden dann keine Kontaktlinsen oder andere Sehhilfen getragen. Das Kind/der Jugendliche kann Toben, Sport machen und auch ins Wasser springen, ohne auf Kontaktlinsen oder Brille achten zu müssen.
 

Ablauf der Anpassung

  • Es erfolgt zunächst ein unverbindliches Beratungsgespräch, bei dem schon die ersten Messungen gemacht werden. Bei diesem Gespräch wird das Verfahren erläutert und die Erfolgsprognose gestellt. Wenn sich Eltern und Kind/Jugendlicher für die Nachtlinsen entscheiden, werden die Nachtlinsen individuell angefertigt.
  • Bei einem 2. Termin wird die Handhabung erklärt – die Linsen werden dann die erste Nacht getragen.
  • Am nächsten Morgen erfolgt die Sitzkontrolle der Nachtlinsen. Wir nehmen in der Praxis die Nachtlinsen ab und messen die verbliebenen Dioptrien. Zwei Drittel der Kurzsichtigkeit sollten zu diesem Zeitpunkt korrigiert sein. Wenn es nötig sein sollte, wird der verbleibende Rest über den ersten Tag mit weichen Kontaktlinsen ausgeglichen. Der TrägerIn kann nun die Nachtlinsen jeden Morgen nach dem Aufstehen selber vom Auge abnehmen.
  • Die nächste Kontrolle erfolgt nach drei Tagen. Sollte zu diesem Zeitpunkt noch keine zufriedenen Ergebnisse eingestellt haben, entscheide ich, ob eine Modifizierung der Kontaktlinsen-Form angebracht ist. Form und Zustand der Hornhaut des Kindes/Jugendlichen werden bei jeder Kontrolle untersucht.
  • Weitere Kontrollen erfolgen in der Regel nach 2 Wochen und dann alle 3 Monate.
  • Die Nachtlinsen werden jährlich erneuert, damit sie immer genau auf das Auge passen.

Kosten

Das erste Beratungsgespräch kostet 30 € - die Anpassung der Linsen mit den weiteren Kontrollen innerhalb der ersten 2 Wochen inklusive der ersten Kontaktlinsenpflegemittel kosten 360 €. Die individuell gefertigten Kontaktlinsen kosten pro Paar z.Zt. 200 € und werden für 1 Jahr getragen - die Pflegemittel der Linsen kosten etwa 60 €/Quartal und können online bestellt werden.

Eine weitere Therapieoption, um die Progression der Kurzsichtigkeit zu bremsen, ist die Gabe von niedrig dosierten Atropin-Tropfen. Atropin ist ein Hemmstoff, der eine Weitung der Pupille mit Hemmung der Akkommodation, d.h. der Naheinstellungsreaktion bewirkt. Es wird vermutet, dass durch diese Hemmung das Wachstum des Augapfels gebremst wird.

In Studien in Asien wurde herausgefunden, dass bei einer Dosierung von 0,01%-igem Atropin (1x abends in beide Augen getropft) das Wachstum des Augapfels am besten gebremst wird. In der Augenheilkunde wurde sonst meist 1%-iges Atropin verwendet – der Vorteil ist, dass bei 0,01%-igen Tropfen so gut wie keine Nebenwirkungen auftreten. Die Kosten für die Atropin-Tropfen werden z.Zt. noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sie erhalten von uns eine Rezeptur auf einem Privatrezept oder eine fertig angemischte Flasche.

Es können sowohl die Nachtkontaktlinsen als auch die Atropin-Therapie miteinander kombiniert werden, um einen möglichst guten Effekt zu erreichen